Inklings-Preisträgerin 2026: Lena Richter mit „Drei Geister“

In diesem Jahr erhält Lena Richter für ihren Beitrag „Drei Geister“ in der Kategorie „audiovisuelle und andere Medien“ den Inklings-Preis 2026 der Kreativklasse. Neben Hörbeiträgen und Videos wurden auch eine Sammlung phantastischer Lieder und eine Fotoarbeit eingereicht, so dass es insgesamt elf gültige Einreichungen gab.

Lena Richter: Person mit mittelbraunen Haaren und grünem Oberteil aus Spitze, eine Hand mit weißer Feder vor dem Kinn.

Die Jury, bestehend aus Julia Winterthal, Nora Bendzko, June Is, Jol Rosenthal, Anna Zabini und Sanjina Kashikar, hat sich nach monatelanger Sichtung der Beiträge für drei Finalist*innen entschieden:

  • Aiki Mira: „Neongrau“, Hörspielserie, veröffentlicht am 26. Februar 2025 in der ARD Audiothek.
  • Lena Richter: „Drei Geister“, Hörbeitrag auf Grundlage einer Lesung auf der Performativen Buchmesse in Hamburg, 15. Mai 2025.
  • Stormcatcher (Malte Wendt und Alex Erben): „Der letzte Schlüssel. Seelengrube“ – Soundtrack, veröffentlicht am 1. September 2025 zu dem gleichnamigen Buch von Marie Meier. (u.a. bei Youtube und anderen Podcast-Anbietern verfügbar)

Lena Richter ist Autorin, Lektorin und Übersetzerin mit Schwerpunkt auf progressive Phantastik. Außerdem gibt sie Workshops für Autor*innen und Lektor*innen. Sie ist eine der Herausgeberinnen des queerfeministischen Kurzgeschichtenmagazins Queer*Welten und spricht einmal im Monat zusammen mit Judith Vogt im Genderswapped Podcast über Phantastik, Feminismus, den Buchmarkt und mehr. Seit 2019 veröffentlicht Lena Kurzgeschichten und Sachtexte, 2023 erschien die Science-Fiction-Novelle Dies ist mein letztes Lied im Verlag ohneohren. 2025 wurde sie mit dem Chrysalis Award der European Science Fiction Society als Best Newcomer ausgezeichnet. Sie lebt in Hamburg.

Lena Richter liest auf der Performativen Buchmesse in Hamburg am 15. Mai 2025.
Lena Richter liest „Drei Geister“ auf der Performativen Buchmesse am 15. Mai 2025 in Hamburg.

Für die performative Buchmesse in Hamburg wurde Lena Richter von Christiane Frohmann vom Frohmann Verlag angefragt, ob sie an der von ihr kuratierten „Bühne der entgeisterten Autor*innen“ teilnehmen und dafür einen Text schreiben und den dort lesen möchte. Ziel war es, Autor*innen, die sich jenseits klassischer Veröffentlichungswege hervortun, eine Bühne zu bieten. Die beitragenden Autor*innen fielen durch ihren eigenen Ton und ihren eigenen Stil auf und ihre Literatur habe ebenso eine Bühne verdient wie Autor*innen in Großverlagen.

Es ging also ganz grob um Schreiben und Veröffentlichen jenseits des klassischen Literaturbetriebs“, fasst Lena Richer zusammen. „Tatsächlich war das erste Thema, was mir dazu eingefallen ist, das im wahrsten Sinne des Wortes unsichtbare und geisterhafte Dasein, das man führt, wenn man so gut wie nie auf Veranstaltungen geht und gehen kann. Ich werde oft sehr nett gefragt, ob man sich denn in Frankfurt oder Leipzig auf den großen Buchmessen sieht oder in Dreieich auf dem BuCon, der Fantasy-Buchmesse parallel zur FBM. Und muss dann eigentlich immer verneinen, weil einmal halt das Infektionsrisiko immer ziemlich hoch ist und ich auch ohne diesen Faktor aufgrund meines Migränegehirns sehr schnell reizüberflutet bin und dann mit Schmerzen gehen muss. Und der Aufwand, vorher auszuhandeln, auch bei kleineren Veranstaltungen wie Workshops oder so, ob’s okay ist, wenn ich da Maske trage, ob’s okay ist, wenn ich nicht an gemeinsamen Essen teilnehme … plus der Ausfall, den ich nachher einkalkulieren muss, weil ich meist danach ein paar Tage erschöpft und/oder migränig im Bett liege – das ist einfach sehr mühsam und energieraubend. Zum Glück wusste ich bei der performativen Buchmesse, dass das Kampnagel (der Veranstaltungsort) sehr auf Zugänglichkeit achtet und mich da niemand wegen der Maske blöd ansprechen wird. Auch deshalb hab ich zugesagt. Na ja, und worauf ich eigentlich hinauswollte – wer nicht zu Messen geht, findet halt sehr viel weniger statt, keine Bücherstände, keine Treffen, keine zwangslosen Gespräche, die dann vielleicht doch mal zu Aufträgen oder Buchprojekten führen … das war Geist Nummer 1.

Geist Nummer 2 entsprang dann ein wenig dem Imposter-Syndrom, überhaupt zusammen mit Leuten eingeladen worden zu sein, die eher was ganz anderes schreiben, und generell so ein bisschen der Abwesenheit von Phantastik im Literaturdiskurs und so. Da sagt der Text glaub ich ja eh auch selbst schon das Meiste zum Thema.

Und der ständige Struggle, überhaupt noch zu schreiben, wenn man ja kein Geld damit verdient, entsprang dann auch einfach so aus genau diesem Alltag. Seit ich selbstständig bin, komme ich kaum noch dazu, weil ich ja auch immer was tun könnte, mit dem man Geld verdient.

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich dann auf die Dickenschen drei Geister kam, aber es passte dann einfach gut zu den drei Aspekten und ja auch zur Phantastik, sodass ich dann einfach bei diesem Grundgerüst geblieben bin. Vermutlich einfach die Phantastik-Autor*innen-Prägung, Dinge einfach mal wörtlich zu nehmen („entgeisterte Autor*innen“) und zu gucken, was dann passiert.

Die Lesung auf der Messe war dann auch super schön, ich war sehr aufgeregt vorher und beim Lesen erleichtert, dass an den richtigen Stellen gelacht wurde„, sagte Lena Richter. Da die Lesung nicht auf der Hauptbühne stattfand, gab es keine Aufzeichnung bzw. keinen Stream, deshalb hat sie den Text zu Hause nochmal für Patreon eingesprochen. Diese Audio-Version hat sie dann für den Inklings-Preis eingereicht.

Den Hörbeitrag zu Lena Richters „Drei Geister“ gibt es seit dem 7. Mai 2026 beim Genderswapped Podcast als Special. In dem monatlich erscheinenden Podcast reden Lena Richter und Judith C. Vogt (Inklings-Preisträgerin 2024, gemeinsam mit Christian Vogt) sonst über (progressive) Phantastik aus feministischer Perspektive. Wir danken beiden für dieses Special, das anlässlich der Auszeichnung den Hörbeitrag nochmal einem größeren Publikum zur Verfügung stellt.

Eine persönliche Übergabe kann leider in diesem Jahr aufgrund terminlicher Schwierigkeiten nicht im Rahmen des Symposiums stattfinden; die Preisverleihung findet in absentia statt, Videos der Jury und der Preisträgerin werden nach der Veranstaltung ergänzt. Wir freuen uns trotzdem über viele interessierte Teilnehmende!

Der Inklings-Preis in der Wissenschaftsklasse wird 2026 nicht verliehen; der eingereichte Beitrag, der die Voraussetzungen erfüllt hat, wird gemäß der Statuten in die Auswahl der Wissenschaftsklasse für den Inklings-Preis 2028 aufgenommen.


Die Ausschreibung für den Inklings-Preis in der Wissenschaftsklasse 2027 und die Kreativklasse 2028 erscheint voraussichtlich im August 2026; in der Kreativklasse werden „Mikrofiktion und Kurzgeschichten“ gesucht, in der Wissenschaftsklasse „Bachelor- und Masterarbeiten“.


Es besteht für Interessierte weiterhin die Möglichkeit, sich über die E-Mail-Adresse kreativ@inklings-preis.de auf der Verteilerliste eintragen zu lassen, um über zukünftige Ausschreibungen informiert zu werden. Es lohnt sich auch, einen Blick auf unser aktualisiertes FAQ zum Inklings-Preis zu schauen, das auf Basis von Nachfragen stetig erweitert wird.


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